Die Nahaufnahme einer Seite Papier, die eng mit einer schwer leserlichen Handschrift bekritzelt ist.
Schreibtagebuch

Freie Kunst oder sowas Ähnliches


Ich habe mich entschieden. Ab sofort ist mein Tagebuch frei zugänglich!

Natürlich kannst du mich auch weiterhin auf Patreon unterstützen, aber davon hängt jetzt nicht mehr ab, was du auf dieser Webseite zu lesen bekommst. Alle Inhalte werden zukünftig für jeden verfügbar sein, ganz unabhängig von einem finanziellen Beitrag.

So nehme ich nicht zuletzt mir selbst den Druck und habe weniger das Gefühl, jemanden irgendetwas schuldig zu bleiben, sollte ich mal keinen Tagebucheintrag veröffentlichen.

Weitere Umbrüche

Außerdem geht es auch bei meinem Roman in die nächste heiße Phase. Die erste Lektorenrunde ist durch und ich bin wieder fleißig am Überarbeiten.

Meiner Lektorin sind nämlich einige Unstimmigkeiten aufgefallen. Manche Szenen sind noch nicht schlüssig, insbesondere solche, wo es um die Entwicklung der Beziehungen zwischen den Charakteren geht. Außerdem habe ich schlicht vergessen, einen der wichtigsten Schauplätze richtig zu beschreiben.

Das passiert schon mal, wenn man selbst so tief in einer Geschichte drinsteckt. Bestimmte Dinge, die für einen Außenstehenden unnatürlich wirken, fühlen sich für den Autor absolut nachvollziehbar an. Schließlich hat man als Schriftstellerin in die eigenen Figuren einen ganz anderen Einblick.

Für mich sind sie, wie alte Freunde. Mehr sogar, ich weiß in jedem Moment, was in ihnen vorgeht und warum sie so handeln, wie sie handeln. Das allerdings auch einem Leser, der nicht diese Verbindung zu den Charakteren teilt, zumindest ansatzweise verständlich zu machen, ist die wahre Kunst. Vor allem dann, wenn man nur die Perspektive einer Person hat, die selbst nicht weiß, was vor sich geht.

Aber das ist genau die Art Herausforderung, die das Schreiben so aufregend macht. Die Balance zu finden zwischen dem, was klar gesagt und was sich zwischen den Zeilen verbirgt, macht großen Spaß.

Und meine Figuren sind mir alle so ans Herz gewachsen, dass es in meinem Kopf oft längst weiter geht. Ich spiele häufig schon Szenen durch, die gar nicht in den Roman gehören und entweder nach der Handlung stattfinden oder parallel, aber aus einer anderen Perspektive ablaufen.

Einige davon werde ich sicher irgendwann aufschreiben und sie hier als Zusatzmaterial veröffentlichen.

Digital oder doch analog?

Ob ich diesen Plan aber auch bei meinem Roman weiterhin verfolgte, weiß ich nicht mehr so genau. Die Verlockung das Manuskript an einen Verlag zu schicken wächst, umso länger ich daran arbeite. Schließlich liebe ich meine Geschichte und möchte sie möglichst vielen Menschen zugänglich machen.

Was aber dann bedeuten würde, meine Rechte an dem Text zu einem nicht unerheblichen Teil abzugeben und zu akzeptieren, dass Leute, die ihn als Ware betrachten, daran verdienen.

Das System, wie Literatur und auch andere Kunst vermarktet wird, ist aus meiner Sicht einfach zu kaputt. Verlage bestimmen nicht nur, was der Autor an seinem Werk verdient, sondern auch, was die Buchhändler für ein Exemplar verlangen dürfen und stecken sich selbst den Löwenanteil des Gewinns in die Tasche.

Dazu kommt noch, dass aufgrund der Marktorientierung eher solche Werke produziert werden, die einem bekannten Muster folgen. Für ungewöhnliche Literatur bleib da oft wenig Platz.

Und ich sage nicht einmal, dass meine Texte besonders experimentell sind, aber ich möchte eine Geschichte einfach so schreiben, wie sie sich richtig anfühlt, und sie nicht an ein bestimmtes Genre oder eine Zielgruppe anpassen.

Aber vielleicht mache ich mir da auch zu viele Gedanken und lasse mich zu sehr von den Erzählungen anderer Autoren abschrecken.

Der Wunsch, meinen Roman eines Tages in einem Bücherregal stehen zu sehen, ist jedenfalls, wie ich zugeben muss, noch nicht ganz gestorben. Und vielleicht lohnt sich der Versuch, wenn es am Ende auch nur dem Zweck dient, meine Erfahrungen hier mit dir zu teilen.

Doch zum Glück wird diese Entscheidung erst spruchreif, wenn mein Roman ansatzweise in einem veröffentlichungswürdigen Zustand ist. Und das kann noch einige Zeit in Anspruch nehmen.

So lange kann ich mir die Idee durch den Kopf gehen lassen und ganz in meiner Geschichte versinken. Denn darum geht es doch beim Schreiben: Geschichten zu erzählen. Wie genau sie am Ende erzählt werden, ist erst einmal völlig egal.


© 2021 Lilli Schwarz | Alle Rechte vorbehalten

Cover von Erdenebayar Bayansan auf Pexels Pixabay | bearbeitet von Lilli Schwarz

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