Die Nahaufnahme einer Seite Papier, die eng mit einer schwer leserlichen Handschrift bekritzelt ist.
Schreibtagebuch

Selbstverlag mal anders


Nun ist es vorbei, das Jahr 2020. Ich schätze mal, auch für dich war es, wie vermutlich für viele Menschen auf dem Planeten, nicht unbedingt ein erfreuliches Jahr. Ich bin jedenfalls froh, es endlich hinter mir zu haben, und hoffe auf eine signifikante Verbesserung in diesem so jungen, neuen Jahr.

Aber dennoch werde ich auf 2020 immer mit einer gewissen Freude und ja, Stolz zurückblicken. Denn es ist und bleibt das Jahr, in dem ich beschlossen habe, dem Schreiben in meinem Leben ein völlig neues Gewicht zu geben.

Tastatur statt Schreibfeder

(Eigentlich schreibe ich ja am PC, aber es soll eine Metapher sein, also leb damit.)

Diesen kleinen Floh setzte mir Mitte des Jahres niemand anderes als Jesse ins Ohr. Die Dozentin des Schreibkurses, den ich nun schon zum dritten Mal besuchte. Und zu dieser Tradition scheint auch immer Veränderung zu gehören.

War ich im Vorjahr noch damit zufrieden, nur für mich zu schreiben, ohne den Druck erst eine „echte“ Schriftstellerin zu sein, wenn meine Werke von einem Verlag anerkannt und veröffentlicht wurden, fühlte ich jetzt den Drang meine Geschichten zu teilen.

Versteh mich nicht falsch, ich bin immer noch der Meinung, dass die Publikation in einem Verlag absolut keinen Einfluss auf den Status eines Schriftstellers oder einer Schriftstellerin hat. Was sich geändert hat, ist meine Ansicht zur Veröffentlichung im Allgemeinen.

Da der Kurs den Umständen entsprechend, etwas kleiner ausfiel, als die Jahre zuvor, hatten wir die Chance, mehr von unseren Werken vorzulesen (oder zu teilen, wie Jesse es lieber nennt). Und es waren wie immer auch unter den „Anfängern“ (also denen, die das Schreiben tatsächlich zum ersten Mal ausprobierten) sehr interessante und technisch recht ausgereifte Texte zu finden.

So ergab es sich vielleicht, dass Jesse öfter die Frage stellte, was wir denn mit diesen Werken anfangen wollten, wenn der Kurs vorbei war. Häufig wurde dies nur mit Schulterzucken beantwortet. Und so fühlte sich unsere Dozentin wohl genötigt, uns immer wieder leidenschaftliche Ansprachen darüber zu halten, wie wichtig doch Geschichten sind, wie wohltuend sie für die Seele sein können und wie sie Menschen dabei helfen können, schwierige Zeiten zu überstehen und Emotionen zu verarbeiten. Und womöglich wäre es ja einer unserer Texte, der einer gebrochenen Person den Weg zurück ins Leben zeigte.

Es ist vielleicht schwer, sich das vorzustellen, wenn man Jesse nicht kennt, aber es ging ihr gar nicht darum uns zu etwas zu überreden. Sie brennt einfach für das Schreiben und für Geschichten und möchte diese Begeisterung auf jeden übertragen, der nur einen Funken Interesse daran hat.

Das mag manch einen nerven und auch ich selbst bin ihrer Reden (da ich sie nun schon fast auswendig kenne) manchmal überdrüssig, aber vor allem empfinde ich ihre Leidenschaft als inspirierend.

Und so setzte sie in meinem Kopf die Saat für eine Idee, die ich ihr am letzten Tag des Kurses präsentierte: eine Website. Meine eigene Website, auf der ich meine Texte veröffentlichen konnte, wie sie mir am besten gefielen und nicht irgendeinem Lektor. Auf der meine Geschichten, meine Tintenkinder, zum Leben erweckt und mit der Welt geteilt werden würden.

Sie befeuerte diesen Einfall natürlich und, weil ich eine leicht obsessive Persönlichkeit habe, war es von da an der Aufbau eben dieser Website, der meine Leben dominierte.

Sicher wäre es cleverer gewesen, zuerst die zweite Fassung meines Romans fertigzustellen, doch in dieser Hinsicht verweigerte mein Gehirn ab da die Kooperation. Denn, wenn es sich einmal auf eine Aufgabe festgelegt hat, fokussiert es sich völlig darauf, und zwar nur darauf. Alles andere wird hintenangestellt.

Also blieb das Schreiben wieder etwas auf der Strecke, während ich mich stattdessen mit so spaßigen Dingen, wie der Steuer, VG-Wort, Datenschutz im Internet, Gesetzen zu Impressum und Cookies beschäftigte. Alles sehr umfangreiche und ermüdende Themen.

Aber es gab auch Punkte, die mir wirklich Spaß gemacht haben. Die Bildbearbeitung, das Design, das entwerfen meines eigenen Logos. Eben die kreativen Aufgaben.

Und am Ende habe ich etwas geschaffen, mit dem ich doch sehr zufrieden bin.

Alltag einer Schriftstellerin

Und schon sind wir in der Gegenwart angekommen. Die ersten Texte sind veröffentlicht und ich habe eine Routine entwickelt, um das Schreiben in meinen Tagesablauf zu integrieren.

Zwar hatte ich schon vorher eine gewisse Regelmäßigkeit, aber es fiel mir leichter auf dem Arbeitsweg statt einer Kreativübung, doch lieber ein Nickerchen zu machen.

Auch das Arbeiten am heimischen Schreibtisch, mit dem ich mich zuvor immer schwergetan hatte (weswegen ich samstags in die Bibliothek fuhr), gestaltet sich inzwischen müheloser und ich lasse mich nicht mehr so schnell ablenken.

Ich bin disziplinierter geworden (schrecklich, ich dachte immer, Kunst sei das Gegenteil von Disziplin).

Zugegeben es dauert etwas, bis ich mich dazu aufgerafft haben tatsächlich mit der Arbeit zu beginnen, aber wenn ich einmal angefangen habe, ziehe ich es durch, bis das Tagesziel erfüllt ist.

Ich habe sogar (weil ich irre bin und Excel liebe) meinen eigene Zeiterfassungsbogen erstellt, der zusätzlich berechnet, wie viel Prozent meiner Arbeitszeit in welche Aufgabe fließt und mir das Ganze in einem hübschen Diagramm ausgibt (ja, wie gesagt, ich bin irre).

Schreiben ist jetzt wirklich mehr als nur ein Hobby. Es ist ein Job, mein Beruf (wenn auch „nur“ eine Nebentätigkeit), obwohl ich damit bisher noch keinen Cent verdient habe. Für mich hat es eine ganz neue Ernsthaftigkeit gewonnen und das ist ein gutes Gefühl.

Was mir noch ein paar Schwierigkeiten bereitet, ist, einzuteilen, wann ich welche Aufgabe erledige. Kreativübungen, Auswahl von Texten für die Website, Überarbeitung und Korrektur für die Veröffentlichung und natürlich darf auch die Arbeit an meinen Projekten nicht zu kurz kommen.

Dabei lerne ich zumindest recht gut zwischen Schriftstellerin und Lektorin hin und her zu schalten. Es war für mich lange schwierig diese beiden Rollen voneinander zu trennen, was den Schreibprozess behindert hat.

Aber jetzt noch das Thema der multiplen Persönlichkeiten von Schriftstellern anzuschneiden (ja, ich bin nicht die Einzige mit dieser Eigenschaft, zumindest habe ich schon die eine oder andere mit ähnlichen „Problemen“ kennengelernt), führt wahrscheinlich etwas zu weit. Also belassen wir es erstmal dabei und ich erzähle vielleicht beim nächsten Mal mehr über meine beiden Seiten und wie ich es geschafft habe, ihre Zusammenarbeit zu verbessern.

Außerdem werde ich dir verraten, wie es um die Arbeit an meinem Erstlingsroman steht. Es bleibt also spannend…


© 2021 Lilli Schwarz | Alle Rechte vorbehalten

Cover von Erdenebayar Bayansan auf Pixabay | bearbeitet von Lilli Schwarz

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